Erstes Review von „Little Rosies Kindergarten“ auf musicaustria.

Die wirklich einmal andere Neudeutung des musikalischen Regelwerks: Das Wiener Kollektiv LITTLE ROSIES‘ KINDERGARTEN betreibt auf seinem selbstbetitelten Erstlingswerk auf ausgesprochen aufregende Weise die Entwicklung eines zwischen den stilistischen Stühlen angesiedelten Sounds.

Wie es in einem Kindergarten halt so ist: Verlässt die liebe Tante nur für eine Sekunde einmal den Raum, beginnen die kleinen Kinderlein genau das zu tun, was sie wollen. Sie lassen die Anarchie ausbrechen und setzen jede Ordnung außer Kraft, sie loten die Grenzen neu aus und schaffen sich aus ihrer kindlichen Perspektive ihr eigenes Reich, das allein ihren Regeln folgt. Dieses Bild lässt sich im musikalischen Sinne eins zu eins auf das Treiben dieses Kollektivs übertragen. Denn das, was Little Rosies‘ Kindergarten zu ihrem Programm machen, ist die vollkommene Abkehr von jeder musikalischen Eindeutigkeit.

Die Band, hinter der sich mit Anna Anderluh (Gesang), Anna Widauer (Gesang), Florian Sighartner (Violine), Matteo Haitzmann (Violine), Clemens Sainitzer (Cello), Lisa Hofmaninger (Sopransaxofon, Bassklarinette), Werner Zangerle (Tenorsaxofon), Robert Schröck (Baritonsaxofon), Lukas Leitner (Piano/Synthesizer), Johannes Bankl (Trompete), Helmuth Mühlbacher (Gitarre), Philipp Kienberger (E-Bass) und Judith Schwarz (Schlagzeug) dreizehn ausgewiesene Freigeister der jungen Wiener Jazzszene tummeln, verwirklicht auf ihrem Debüt einen Sound, der sich aufgrund seiner „crossoverschen“ Eigenwilligkeit jeder musikalischen Eindimensionalität enthebt und jede exakte Kategorisierung verunmöglicht. Die Beteiligten lassen ihrer Kreativität freien Lauf, sie setzen sich über jede Grenze hinweg und spielen sich mit einer uneingeschränkten Offenheit durch die unterschiedlichsten musikalischen Welten.

Vom Jazz geht es hin zum Rock, von dort über die Kammermusik weiter bis hin zur Improvisation. Dazwischen wird mal da, mal dort haltgemacht. Was Little Rosies‘ Kindergarten entstehen lassen, sind Stücke, die sich in weit gefassten und sich stetig steigernden Bögen von minimalistisch bis großformatig, von geradlinig bis vertrackt, von einfühlsam sanft bis lautstark und energiereich, von melodiebetont bis experimentell auf unglaublich ereignisreiche, vielschichtige und spannungsgeladene Weise in unterschiedlichsten Intensitäten und Stimmungen erzählen. Dabei schlägt das Pendel mal hin zu einem geheimnisvollen und düsteren Klang, mal zu einem wunderbar gediegenen und melancholisch angehauchten, an anderer Stelle wiederum wird es hochgradig schräg oder einfach nur exzessiv verspielt.

Little Rosies‘ Kindergarten stoßen auf ihrem Album die Tore zu einer anderen musikalischen Dimension in spannender Weise auf. Das Kollektiv beschreitet neuartige und fremde Pfade, die ihre ganz eigenen musikalischen Schwingungen entwickeln, solche, die die HörerInnen auf wirklich schöne Art in ihren Bann ziehen.

Michael Ternai, musicaustria, 1.Februar.2018

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