musicaustria-Rezension von “Lawn of Love”

First Review of “Lawn of Love” by Michael Ternai auf musicaustria.

MEMPLEX – „Lawn of Love“

Ein Album auf dem fünf ausgewiesene Experten des Jazz nicht wirklich auf Jazz machen – die fünfköpfige Wiener Formation MEMPLEX verleiht auf ihrem neuen Album „Lawn of Love“ (Listen Closely) den vertrackteren Klängen auf aufregende Weise Ohrwurmqualität.

Nun, eines lässt sich beim Blick auf die Namen der an diesem Projekt beteiligten Musiker definitiv sagen: Hier sind durch die Bank Leute am Werken, die – und das weiß man von deren vielen aufregenden Projekten – die unkonventionellen Wege suchen, stets unklassisch agieren, jede musikalische Grenze spielend überwinden und ganz genau wissen, wie man es anstellt, Musik zu einem echten Erlebnis werden zu lassen. So gesehen lässt sich von diesem Projekt dann doch einiges erwarten. Und man wird nicht enttäuscht.
Der erfrischend unklassische Ton des Jazz
Cover “Lawn of Love”

Mario Rom (Trompete), Werner Zangerle (Tenorsaxofon), Philipp Jagschitz (Piano), Walter Singer (Kontrabass) und Niki Dolp (Schlagzeug) finden sich – wie schon auf ihrem 2012er-Debüt „Souvenir“ – auf einem erfrischend anderen Jazzweg wieder. Fern jeder überbordenden Komplexität und Sperrigkeit rücken die fünf Instrumentalisten vor allem das Musikalische in den Vordergrund des Geschehens. Die Nummern von Memplex sprechen eine gediegene und stilistisch offene Sprache des Jazz. Sie folgen einer für Jazzverhältnisse vermeintlich einfacheren und geradlinigeren Linie und sind von einem warm umschmeichelnden Klang, der sich aus einer Vielzahl wunderbar gänsehauterzeugender Melodiebögen, eleganter Harmonien und grandioser Improvisationen speist und sich über weite, spannungsgeladene Bögen zu einer ungemein stimmungsvollen Angelegenheit entwickelt.
Jazz, der in den Ohren hängen bleibt

Memplex lassen auf ihrem neuen Album das musikalische Pendel auf vielfältige Weise weit ausschlagen. An ruhigen und sanft berührenden Momenten fehlt es ebenso wenig wie an richtig schön intensiv und lässig noch vorne groovenden. Auch dem Experimentelleren, dem sehr Verspielten und manchmal auch zirkushaft Schrägen verschließt sich die Band nicht, was die ganze Sache klarerweise zu einer noch abwechslungsreicheren werden lässt. Das Schöne am Sound dieser Truppe ist, dass die einzelnen Elemente in wirklich perfekter Weise ineinanderfließen, dass sie in Summe ein sehr vielschichtiges Ganzes ergeben, das in hohem Maße etwas sehr Bildhaftes entwickelt und in den Gehörgängen hängen bleibt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Memplex mit „Lawn of Love“ ein Album gelungen ist, das wirklich alle Stückerl spielt und den Jazz in einem Klang darbietet, der nicht nur bei ausgewiesenen Liebhaberinnen und Liebhabern dieser Musikform Anklang finden dürfte.

Michael Ternai, musicaustria 5. Juli 2017